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Sternstunde vom 12.06.2012

Planetenschleifen
In diesen Wochen zeigt sich Ungewöhnliches am südlichen Abendhimmel. Etwa dort, wo auch unsere Satellitenschüsseln hinschauen, und nicht allzu hoch über dem Horizont, stehen zwei helle Lichtpunkte übereinander. Normalerweise leuchtet hier nur ein Gestirn. Doch nun hat sich ein weiteres hinzugesellt. Was ist da denn eigentlich los?
Nun, einer der beiden Himmelskörper, nämlich der untere, hat an dieser Stelle des Firmaments seinen Stammplatz und damit sozusagen Bleiberecht. Es ist der Fixstern Spica im Sternbild Jungfrau. Der Lichtpunkt darüber ist ein Einwanderer. Der treibt sich hier schon seit Monaten herum. Er bewegt sich mal nach links, dann wieder nach rechts, kehrt erneut um und so weiter. Dieses Verhalten ist typisch für einen Planeten! Und tatsächlich: Unser Herumtreiber ist der Planet Saturn.
Der Ringplanet ist fast zehnmal so weit von der Sonne entfernt wie unsere Erde. Er bewegt sich auf seiner Umlaufbahn deshalb viel langsamer als wir auf unserem Orbit. Wenn wir einmal um die Sonne herumgesaust sind, also in einem Jahr, hat der Saturn erst ein Dreißigstel seiner Umlaufbahn geschafft. Das heißt: Für uns ändert sich die Position des fernen Planeten vor dem Hintergrund der Fixsterne nur ganz allmählich. Wir sehen den Saturn deshalb über Monate hinweg in einem und demselben Sternbild; derzeit also in der Jungfrau, in der Nähe ihres Hauptsterns Spica.
Die schnellere Erde überholt den langsamen Ringplaneten natürlich immer mal wieder auf der Innenbahn. Bei diesem Vorgang ändert sich unsere Perspektive, unter der wir den Saturn sehen. Wir haben den Eindruck, der Planet würde sich vor dem Sternenhintergrund bewegen: Wir sehen ihn beispielsweise wochenlang nach links wandern, beobachten dann, wie er eine Zeit lang stehen bleibt und bald darauf seine Bewegungsrichtung wieder umkehrt. Diese so genannten Planetenschleifen sind also in Wahrheit Täuschungen. Sie entstehen durch Überholvorgänge bei der Fahrt unserer Erde um die Sonne.
In den vergangenen Wochen hat sich der Saturn auf den Stern Spica zu bewegt, und zwar von links nach rechts. Jetzt bremst er ab, kommt zum Stillstand und wandert dann Anfang Juli wieder nach links zurück. Er entfernt sich also wieder von Spica. Ende August wird er für ein halbes Jahr vom Abendhimmel verschwinden. Nächstes Jahr, ab Ende März, lässt sich der Saturn aber wieder blicken, dann vor dem Hintergrund des Sternbilds Waage
Autor: Ulrich Beilfuß


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